Kasseler Denkanstöße im BBW Nordhessen
Wenn jungen Menschen der Blick nach vorne fehlt
KASSEL. Mit den „Kasseler Denkanstößen“ am 18. März 2026 griffen die Schule am Schillertor gemeinsam mit dem BBW Nordhessen ein Thema auf, das viele Lehrkräfte, Ausbildungsverantwortliche und Familien seit Langem beschäftigt: die mangelnde Motivation junger Menschen durch Zukunftsangst.
Für den Impulsvortrag konnten die Veranstalter Dr. Martin Koch vom Institut für Berufspädagogik und Erwachsenenbildung der Universität Hannover gewinnen, der eine begleitende Studie durchgeführt hat. Gemeinsam mit Masterstudierenden hatte er bereits im November 2025 in Kassel Einzel- und Gruppeninterviews mit den Teilnehmenden geführt. Im Mittelpunkt standen ihre Sicht auf Zukunft, Selbstwirksamkeit und persönliche Perspektiven.
Ausgangspunkt ist eine Beobachtung, die sich nach Einschätzung der Beteiligten durch Schule, Ausbildungsbereiche und Berufsvorbereitung zieht. Jungen Menschen fehlen positive Bilder von ihrer Zukunft. Beruflich wie privat wirkt vieles unsicher, manches fern, manches unerreichbar. Zugleich sinkt bei einigen die Bereitschaft, sich anzustrengen. Die Folgen des eigenen Handelns bleiben dabei oft unscharf, als lägen sie hinter einem Schleier. „Die Ergebnisse der Interviews zeigen deutlich, dass die Förderung von Selbstwirksamkeit und die Einbindung der Lebenswelt junger Erwachsener aus unserer Sicht zentrale Bausteine für eine erfolgreiche Bildungsarbeit auch im BBW sind“, sagt Christine Sauer, Leiterin des BBW Nordhessen.
Die Kasseler Denkanstöße griffen diese Lage wissenschaftlich auf und zeichneten ein differenziertes Bild. Deutlich wurde: Die jungen Menschen sind keineswegs gleichgültig. Viele nehmen ihre Situation genau wahr und denken aufmerksam über Schule, Ausbildung und ihren weiteren Weg nach. Und doch erleben sie sich häufig nicht als Handelnde, sondern eher als Menschen, deren Entscheidungen stark von äußeren Einflüssen geprägt werden. Denn Selbstwirksamkeit wächst nicht aus guten Worten allein. Sie entsteht dort, wo junge Menschen erleben: Ich kann etwas bewirken.
„Die Richtung unserer Arbeit ist klar: Eine sorgfältige Diagnose, eine abgestimmte interdisziplinäre Zusammenarbeit und die detaillierte Förderplanarbeit stimmen. Für motivierende Selbstwirksamkeitserlebnisse müssen wir noch individueller werden“, so Karola Vahland, Schulleiterin der Schule am Schillertor.
Aus der Auswertung der Muster und Zusammenhänge im Verhalten der Befragten leiteten Dr. Martin Koch und seine Studierenden vorsichtige Handlungsempfehlungen ab. Förder- und Lernberatung sollte sich demnach stärker an der Erfahrungswelt junger Erwachsener orientieren. Auch Unterricht, der die Vielfalt innerhalb der Lerngruppen berücksichtigt und alle am gemeinsamen Lernprozess beteiligt, sowie eine verlässliche pädagogische Begleitung werden als wichtige Ansätze benannt. Ebenso gehören die Aushandlung pädagogischer Kulturen, von Regeln sowie von Arbeits- und Prüfungsformen zu den Ergebnissen der Studie. Grundsätzlich sollten junge Menschen stärker in Entscheidungen eingebunden werden und die Angebote der Bildungseinrichtungen mitgestalten können.
Die Veranstaltung fand in der neuen Mensa des BBW Nordhessen statt, wo die Auszubildenden aus Hauswirtschaft und Küche nach dem Vortrag feine Häppchen für die Gäste bereitstellten. Zum Publikum gehörten geladene Gäste, Lehrkräfte, Ausbilder:innen, Studierende sowie weitere Interessierte. Anschließend teilte sich das Publikum in kleinere Arbeitsgruppen, um die Impulse des Nachmittags aus unterschiedlichen Perspektiven zu diskutieren und weiterzudenken.
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